Der Hessische Fußball-Verband beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit einer Spielklassenstrukturreform. Anlass hierfür sind die seit Jahren rückläufigen Mannschaftszahlen und die Erkenntnis, dass das bestehende Spielsystem in einigen Regionen an seine Grenzen stößt und ein flächendeckender, ausgeglichener Wettbewerb zunehmend nur noch mit erheblichen Einschränkungen und erhöhtem Aufwand aufrechterhalten werden kann.
Mit Beschluss des Verbandstag 2024 wurde die seit 2021 bestehende Projektgruppe beauftragt, unter Berücksichtigung der bisherigen Arbeit und Ergebnisse eine Strukturreform zeitnah umzusetzen. In dem Beschluss zugrunde liegenden Ergebnisbericht war unter anderem festgehalten, dass die Projektgruppe die Zukunft für ein möglichst ideales Spielsystem unabhängig vorhandener Verwaltungsstrukturen im kreis- und regionsübergreifenden Spielbetrieb sieht.
Mit den Ergebnissen einer Online-Befragung in Kombination mit weiteren verschiedenen Informationen und Analysen fanden nun Konferenzen in den sechs hessischen Fußballregionen statt, in deren Zuge die beteiligten Interessengruppen (Funktionäre, Trainer, Spieler, Schiedsrichter etc.) nochmals in den vertieften Austausch gingen. Der Projektgruppe Spielklassenstrukturreform war und ist es wichtig, hier insbesondere auch in den Austausch mit den Personen zu kommen, die maßgeblich von einer möglichen Spielklassenstrukturreform betroffen sein werden.
Aus den bisherigen Erkenntnissen wurden seitens der Projektgruppe Leitplanken für die zukünftige Spielbetriebsstruktur festgelegt:
Der Meister hat immer ein Aufstiegsrecht
Für die Projektgruppe steht außer Frage, dass Meister aufsteigen sollten.
Sofern eine grundsätzliche Aufstiegsberechtigung gegeben ist, darf diese nicht durch zusätzliche Aufstiegsspiele in Frage gestellt werden.
Idealerweise 16 Mannschaften pro Spielklasse
15-16 Mannschaften wird als ideale Spielklassengröße betrachtet, die den Bedürfnissen aller Beteiligten mit Blick auf Anzahl und Häufigkeit der Spiele am ehesten entgegenkommt.
Max. ein Spiel pro Woche -> Vermeidung von Wochenspieltagen
Insbesondere bei Spielern und Trainern ist der Wunsch groß, auf Wochenspieltage in der Grundplanung möglichst zu verzichten. Ausgenommen davon sind natürlich frei vereinbarte Terminverlegungen zwischen den Vereinen.
Max. drei Absteiger pro Saison (inkl. Relegant)
Den Vereinen wird damit Planungssicherheit zu Serienbeginn gegeben, ein Blick in die höheren Ligen und die Frage nach der tatsächlichen Anzahl der Absteiger erübrigt sich.
Nicht mehr als drei Mannschaften sollen in der Folgesaison eine Liga tiefer antreten, wobei der Drittletzte die Chance hat, über die Relegation noch die Klasse zu halten.
Einteilung nach Entfernungs-/Kilometermodell
Die Ligeneinteilung soll zukünftig für eine Spielklassenebene mit Hilfe digitaler Tools unter Berücksichtigung einer optimierten Fahrzeit und Fahrstrecke ermittelt werden. Kreis- und Regionsgrenzen spielen dabei keine Rolle mehr. Dadurch wird eine dauerhafte Belastung einzelner Vereine aufgrund ungünstiger geographischer Lage verhindert. Durch Auf- und Abstieg variiert dies dann von Jahr zu Jahr und es ergibt sich eine gleichwertige Belastung aller Teams in einer Spielserie.
Spielbetriebsorganisation unterhalb der Verbandsebene durch die Fußballkreise
Der Wunsch, bestehende Kreisstrukturen aufrecht zu erhalten und Ansprechpartner vor Ort zu haben, ist allgegenwärtig. Nicht zuletzt deshalb erachtete die Projektgruppe eine Gebietsreform nicht als ihre Aufgabe und daher steht für sie auch fest, dass der Spielbetrieb unterhalb der Verbandsebene weiterhin durch die Fußballkreise organisiert werden soll. Dennoch geht es auch hier nach Ansicht der Projektgruppe nur miteinander, sodass kreis- und regionsübergreifender Spielbetrieb jederzeit flexibel möglich sein muss.
Unter Anlegung der Leitplanken an verschiedene bereits diskutierte Spielsysteme legte sich die Projektgruppe auf die Variante mit jeweils zwei Gruppen unterhalb einer höheren Spielklasse fest („1-2-4-8“).
Dieses System ist am besten geeignet, die Leitplanken umzusetzen und zudem schafft man im Vergleich zum Status Quo („1-3-8-25“) eine Verschlankung der Verbandsebene zur Stärkung der Kreisebene.
Die aktuell zwölf Gruppen in den ersten drei Spielklassenebenen würden sich zukünftig auf sieben Gruppen reduzieren.
Dieser Vorschlag sorgte erwartungsgemäß für reichlich Diskussionen in den Regionalkonferenzen. Die dort ermittelten Chancen und Hürden dieser Systematik werden nun von Projektgruppe weiter diskutiert und ausgewertet, um im Nachgang die nächsten Schritte festzulegen.


