Eintracht Frankfurt tritt am Sonntag um 15:30 Uhr beim FC St. Pauli an. Im Vorfeld äußerte sich Cheftrainer Albert Riera zu folgenden Themen.
Albert Riera über …
… die Herangehensweise: Jedes Spiel ist anders, jeder Moment ist anders. Ich habe zu meinem Team zu Wochenbeginn gesagt, dass wir jedes Spiel mit der gleichen Energie und Leidenschaft spielen müssen. Das erwarte ich. In jedem Spiel geht es um drei Punkte. St. Pauli steht in der Tabelle zwar hinter uns, das ist aber egal. Ob gegen den FC Bayern oder gegen den FC St. Pauli, ob vor 70.000 Zuschauern oder in der Atmosphäre auf St. Pauli: Ich sehe in diesen beiden Auswärtsspielen keinen Unterschied. Natürlich hat der FC Bayern andere Spieler, natürlich spielen sie unterschiedlichen Fußball, aber es geht eben um drei Punkte, und die sind wichtig. Also bereiten wir uns genauso vor, wir müssen genauso motiviert sein, wir müssen genauso agieren – mit dem Ball und gegen den Ball. Das fordere ich bereits in der Trainingswoche. Wir respektieren jeden Gegner auf dieselbe Art.
… seine Botschaft an die Mannschaft zum Wochenstart: Man kann Spiele verlieren, das ist Fußball, man kann nicht jedes Spiel gewinnen. Ich habe als Spieler mehr Spiele verloren als alle unsere Spieler zusammen. Man kann verlieren, weil der Gegner besser war und fantastisch gespielt hat. Im Fußball, und das macht das Spiel allgemein so schön, muss nicht immer das Team gewinnen, das favorisiert oder besser war. Ich akzeptiere aber nicht, dass man verliert, weil man nicht bereit war, vor allem mental. Meine Mannschaften zeigen immer Energie, Einsatz und Leidenschaft, darauf beruht das Spiel – wenn die Spieler das nicht zeigen, haben sie ein Problem mit mir. Ich kann mich während meiner Zeit als Trainer an kein Spiel erinnern, nach dem ich der Mannschaft sagen musste, dass sie die falsche Einstellung hatte. Man kann im Fußball verlieren, man kann Fehler machen, man kann nicht immer gewinnen – aber nicht wegen der falschen Einstellung.
… Kaua Santos und Michael Zetterer: es sind zwei unterschiedliche Torhüter mit unterschiedlicher Charakteristik, das ist gut für uns. Der eine Spieler kann uns das, der andere das geben. Als ich nach Frankfurt gekommen bin, habe ich mich für Kaua als Nummer eins entschieden, nun hat er sich leider verletzt. Michael hat schon bewiesen, dass er dem Team helfen kann, Spiele zu gewinnen.
… Can Uzun, Michy Batshuayi und Younes Ebnoutalib: Die drei sind erst wieder ins Training eingestiegen; noch ohne Körperkontakt. Wir werden die Intensität nächste Woche steigern.
… Jean-Mattéo Bahoya: Er ist noch ein junger Spieler, der noch keinen allzu großen Erfahrungsschatz hat. Man muss ihm helfen. Anders als erfahrene Spieler, die sich auf bestimmte Situationen vorbereiten. Junge Spieler wie er brauchen vor allem Selbstvertrauen, und das gebe ich ihm. Ich gebe ihm viel, deshalb gibt er viel zurück. Ich sehe aber nicht nur, was er fantastisches mit dem Ball macht, sondern auch seinen Einsatz als Flügelspieler. Im Spiel gegen den Ball habe ich allgemein sehr hohe Erwartungen an das Team, ich will in unserem Spiel immer Druck gegen den Ball sehen, nach Ballverlust müssen wir sofort reagieren. Jean-Mattéo macht auch ohne Ball einen fantastischen Job. Die Qualität in der Mannschaft ist hoch, am Ball sind alle Spieler sehr gut, aber den Ball haben sie nicht 90 Minuten lang. Also was machen sie ohne Ball? Ein Flügelspieler hat im Schnitt ein, zwei Minuten den Ball, aber was ist mit den anderen 88, 89 Minuten? Also sage ich den Spielern: Wenn ihr mit und ohne Ball gut seid, dann seid ihr komplett.
… weniger Gegentore: Natürlich liegt es in erster Linie an der Art und Weise, wie wir verteidigen. Jeder Spieler muss ganz klar wissen, was er ohne Ball zu tun hat. Wir dürfen beim Verteidigen keine Zweifel haben. Im Videostudium im Nachgang an ein Spiel pausiere ich gewisse Szenen und frage dann die Spieler mit Blick auf das Standbild, ob wir in dieser Situation richtig oder falsch agiert haben. Meine Spieler lernen sehr viel und sehr schnell, ich bin mit dem Prozess sehr zufrieden. Als ich die Mannschaft übernommen habe, war diese auf einem sehr guten Level – schlau, gut ausgebildet, fit. Das Team hatte aber lange nicht gewonnen, die Spieler waren mental blockiert – das war der Grund. Sie haben nur noch daran gedacht. Diese Blockade galt es zu lösen, das haben wir getan. Es war vorher nicht alles schlecht, jetzt ist nicht alles perfekt. Ich will ein mental starkes Team.
Text: SGE; Foto: getty images


