HESSISCHER FUSSBALL-VERBAND e.V.

Flexiblere und fairere Spielklassen – Interview mit Matthias Schmelz

Am 30. September feierte Matthias Schmelz seinen 40. Geburtstag. Kurz zuvor wurde er – nach dem gesundheitlich bedingten Rücktritt von Robert Neubauer – zum neuen Vorsitzenden des Verbandsausschusses für Spielbetrieb und Fußballentwicklung, kurz Verbandsfußballwart – berufen. Damit ist er der jüngste Mensch in der Geschichte des HFV, der diese Position innehatte. Der HESSEN-FUSSBALL hat mit ihm über Erwartungen und Ziele gesprochen.

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Funktion als Verbandsfußballwart in Hessen. Sie waren zuvor schon stark im HFV engagiert. Welche Funktionen haben Sie bereits als Funktionär in Verband und Verein ausgeführt? 
Vielen Dank! Seit meinem 14.Lebensjahr bin ich in vielfältiger Weise in meinem Heimatverein engagiert, gestartet als Jugendtrainer ging es über die Funktion des Jugendleiter weiter in die Abteilungsleitung Fußball. Dort nun seit 2010 als Kassierer, die gleiche Funktion übe ich zudem im Gesamtverein abteilungsübergreifend seit 2015 aus. Zwischendurch war ich immer wieder als Trainer verschiedener Teams tätig. 
Im Verband bin ich gestartet 2020 als Klassenleiter der Kreisliga C und Mitglied im Kreisfußballausschuss, 2021 folgte dann die Wahl zum Kreisfußballwart und kurz im Anschluss auch zum Regionalbeauftragten. Insbesondere mein Vorgänger Horst Riemenschneider war dabei ein großer Fürsprecher und hat mir immer Mut zugesprochen mich gleich auch kreisübergreifend einzubringen. 

Hat die neue Position Ihren Alltag weiter verändert und den Arbeitsaufwand für das Ehrenamt zusätzlich verstärkt? 
Den Alltag hat die neue Position zum Glück nicht verändert, wenngleich nochmal ein paar Termine mehr hinzugekommen sind, was aber bisher gut händelbar ist. Meine Einsätze als Schiedsrichter sind aber deutlich weniger geworden seitdem. 

Haben Sie selbst Fußball gespielt? 
Selbstverständlich – und tue dies auch immer noch. In der Regel in unserer Ü35, im Sommer ging es aber auch nochmal in der Herren Reserve auf den Platz als Spielermangel herrschte. 

In den letzten Wochen fanden Workshops zur Spielklassenstrukturreform in den einzelnen Regionen statt. Was gibt es davon zu berichten?
Die Workshops waren größtenteils von offenen Diskussionen geprägt und haben unsere Erwartungen daran erfüllt. Wir werten nun die Ergebnisse aus und schauen dann weiter.  

Was ist Ihnen im Rahmen des Spielbetriebs wichtig?
Ich bin davon überzeugt, dass wir zukünftig kreis- und regionsübergreifend spielen müssen, ohne dabei aber die Ansprechpartner vor Ort zu verlieren. Dies trifft die einen früher, die anderen vielleicht später. 
Mit dieser Grundlage haben wir immer die Chance den Spielbetrieb unsererseits zu gestalten, irgendwann kommen wir an den Punkt nur noch reagieren zu können, wenn die Realität uns überholt. Das sollten wir möglichst vermeiden.  

Inwiefern muss sich der Fußball der gesellschaftlichen Entwicklung anpassen? 
Wenn wir nicht noch mehr Spieler verlieren wollen, müssen wir uns zwangsläufig vermehrt anpassen. In den Umfragen und Workshops wie auch Gesprächen auf den Plätzen kommt beispielsweise immer wieder hervor, dass die Spieler gerne auf Spiele unter der Woche verzichten würden. Manch Funktionär sowohl im Verein wie Verband sieht das sicherlich anders und auch einen gewissen Reiz in den Wochenspieltagen, da nehme ich mich selbst nicht raus. Aber entscheidend ist, dass die Spieler bei der Stange bleiben. 

Was macht diese Reform so kompliziert?
Die unterschiedlichen Gegebenheiten und dadurch entstehende Interessenlagen. Es ist nur natürlich, dass sich Kreise mit vielen Vereinen und einer begrenzten Anzahl an Spielstätten andere Gedanken machen als Kreise mit immer weniger Mannschaften im Spielbetrieb oder einer immer mehr zunehmenden Anzahl an Spielgemeinschaften. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir einen gemeinsamen Weg finden. 

Was wird sich dadurch im hessischen Fußball verändern? 
Auf Verbandsebene werden wir insgesamt flexibler und fairer mit Blick auf Spielklasseneinteilungen. Ein Verein, der aufgrund ungünstiger geographischer Lage aktuell jedes Jahr einen vergleichsweisen sehr hohen Aufwand betreiben muss, wird entlastet, für manch anderen wird es unter Umständen natürlich auch etwas mehr. Der zu betreibende Aufwand wird gleichmäßiger verteilt und in Summe reduziert. 
Weiterhin schaffen wir eine bessere Planbarkeit für die Vereine. Insbesondere dieser Punkt ist ein großes Anliegen der Vereine, egal mit wem man in Hessen spricht. Es sollte nicht mehr notwendig sein zu schauen, wie beispielsweise der SSV Ulm in der 3.Liga spielt und durchzurechnen welche Konsequenzen dies auf unsere Ligen hat. Der berühmte “Rattenschwanz” zieht dann nicht mehr nach sich. 

Welche positiven Entwicklungen gibt es bereits im hessischen Fußball?

Ich finde es gut, dass wir es mit dem letzten Verbandstag geschafft haben, eine weitestgehend einheitliche Wechselregel mit fünf Wechseln einzuführen, egal ob in der Jugend, den Herren oder Frauen. Dies vereinfacht es für alle Beteiligten und macht ein Umdenken von Spiel zu Spiel obsolet. 
Dass die Umsetzung reibungslos gestartet ist, spricht für sich und auch andere Landesverbände zeigen Interesse an einer Übernahme der Regelung.  

Welche weiteren Themen gibt es aktuell in Ihrem Wirkungsfeld? 

Immer aktuell sind die Bestimmungen zur Bildung von Spielgemeinschaften sowie zur Flexibilisierung des Spielbetrieb. Auch mit den Möglichkeiten des DFBnet sollten wir uns beschäftigen, ich glaube da gibt es Felder die wir noch ausgiebiger und intensiver nutzen könnten.

Was sind Ihre Ziele in Ihrer Amtszeit als Verbandsfußballwart? 

Allen voran steht natürlich die Umsetzung des Spielklassenstrukturreform, die uns weiter beschäftigen wird. Ein großes Anliegen ist mir zudem die Qualifizierung unserer Klassenleiter, da starten aktuell wieder zwei Lehrgänge für das Staffelleiter-Zertifikat, bei denen ich auch als Referent agiere. Und wenn wir dann die Herausforderungen des Tagesgeschäfts jederzeit zeitnah meistern und unsere Vereine nicht gefühlte Ewigkeiten auf Antworten warten müssen, haben wir schon einiges geschafft.   

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