Der schulische Ganztag wächst – und mit ihm der Bedarf an qualifizierten Übungsleitenden im Bereich Sport und Bewegung. Genau hier setzt das neue Zertifikat „Sport und Bewegung im schulischen Ganztag“ an.
Schulfußball ist ein Thema, das der Hessische Fußball-Verband seit langer Zeit mit einer hohen Priorität versieht und entscheidend vorantreibt. Bereits vor drei Jahren erkannte der HFV das vorhandene Potential in Bezug auf den Ganztag und startete gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport, dem Hessischen Kultusministerium, dem Landessportbund Hessen, der Sportjugend Hessen sowie der Sozialstiftung des Hessischen Fußballs eine Kampagne im Rahmen der UEFA EURO 2024 im Kontext von Schulen, Vereinen und Fußball. Ziel dieser Kampagne war die Förderung der fußballbezogenen Maßnahmen in den Schulen sowie die Stärkung von Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen.
Denn freiwillige Sportangebote scheiterten häufig an strukturellen Voraussetzungen. Entscheidend ist es, eine Verbindung zwischen Schule und sportlicher Praxis herzustellen. Die Hürde, eine Übungsleitertätigkeit im schulischen Ganztag zu übernehmen, war jedoch hoch. In der bisherigen Systematik war in der Regel eine Lizenz mit rund 120 Lerneinheiten erforderlich – verbunden mit festen Präsenzzeiten, notwendiger Urlaubsnahme für Fortbildungen und einer inhaltlichen Ausrichtung, die stark auf Mannschaftssport und taktische Schwerpunkte im Vereinssport fokussiert ist.
Für niedrigschwellige Bewegungsangebote im Ganztag, bei denen es primär um Aktivierung, Spielformen und Bewegungsfreude geht, war dieses Anforderungsprofil kaum passgenau. Ziel des HFV war daher ein flexibles, modular aufgebautes Zertifikat für den gesamten organisierten Sport, das praxisnah auf den schulischen Ganztag zugeschnitten ist und den Zugang deutlich erleichtert, ohne Qualitätsstandards zu vernachlässigen. Die abschließende Zertifikatsvergabe erfolgt dabei durch eine unabhängige Institution – etwa die Sportjugend –, um fachliche Neutralität, Anerkennung und Rechtssicherheit im schulischen Kontext zu gewährleisten.
Hier wurde der HFV aktiv und suchte frühzeitig den Dialog mit den politisch zuständigen Stellen. In gezielten Gesprächsformaten und fachlichen Workshops mit dem Hessischen Kultusministerium, dem Hessischen Ministerium des Innern und für Sport sowie dem Landessportbund Hessen brachte der Verband die praktische Perspektive aus Schulen und Vereinen ein und warb für eine Weiterentwicklung der bestehenden Rahmenbedingungen. Ziel war es, Impulse zu setzen, um bestehende Hürden konstruktiv zu hinterfragen und Wege zu eröffnen, wie sportfachlich qualifizierte Personen aus dem organisierten Sport leichter im schulischen Ganztag tätig werden können – selbstverständlich unter Wahrung von Qualitätsstandards und Rechtssicherheit.
In diesem Zuge wurde das Zertifikat „Sport und Bewegung im schulischen Ganztag“ entwickelt, das Menschen mit sportlichen Vorqualifikationen aus dem organisierten Sport rechtssicher und qualifiziert ermöglicht, mit einem außerunterrichtlichen Bewegungsangebot an Schulen tätig zu werden.
„Wir freuen uns, dass es gelungen ist, gemeinsam mit den Partnern einen konstruktiven Weg zu entwickeln, der dem organisierten Sport insgesamt neue Möglichkeiten im schulischen Ganztag eröffnet. Wenn gute Argumente aus der Praxis frühzeitig eingebracht und im Dialog weiterentwickelt werden, können Rahmenbedingungen so angepasst werden, dass sie sowohl qualitativ anspruchsvoll als auch realistisch umsetzbar sind. Davon profitieren am Ende Schulen, Vereine und vor allem die Kinder und Jugendlichen“, erklärte Nicolas Fink, HFV-Geschäftsführer Wirtschaft und Finanzen.
„Bewegung ist ein zentraler Bestandteil ganzheitlicher Bildung und Persönlichkeitsentwicklung. Mit dem Zertifikat schaffen wir eine qualitativ abgesicherte Möglichkeit, zusätzliche Bewegungsangebote in den schulischen Ganztag zu integrieren und damit Gesundheit, soziale Kompetenzen und sportliche Interessen gleichermaßen zu fördern. Zugleich stärken wir die Verbindung zwischen Schule und organisiertem Sport auf eine nachhaltige und verlässliche Weise““, so HFV-Präsidentin Prof. Dr. Silke Sinning.
Der Zertifikatskurs richtet sich gezielt an Personen aus dem organisierten Sport, die bereits über sportliche Vorqualifikationen verfügen. Für die Fußball-Coaches wird diese mit der Teilnahme am DFB-Basis-Coach bzw. DFB-Junior-Coach (40 LE) und der Teilnahme am HFV Kindertrainerzertifikat (20 LE) erreicht. Die Teilnahme am KiTZ könnte durch mindestens zweijährige Praxiserfahrung ersetzt werden.
Die Gesamtqualifikation umfasst 90 Lerneinheiten (LE). Diese gliedern sich in die vorab beschriebene 60 LE Grundqualifikation und 30 LE Zertifikatskurs „Sport im Ganztag“, hier geht es zur Anmeldung zum 30 Lerneinheiten umfassenden Zertifikatskurs „Sport und Bewegung im schulischen Ganztag“.
Das Zertifikat wird von der Sportjugend Hessen ausgestellt und muss alle vier Jahre mit acht Lerneinheiten Fortbildung verlängert werden. Eine Anrechnung auf reguläre Übungsleiter-Ausbildungen ist nicht vorgesehen. Die zugrunde liegende Grundqualifikation im Umfang von 60 LE ist nicht Bestandteil dieser Ausschreibung und kann je nach individueller Vorbildung bereits anerkannt worden sein oder anderweitig nachgewiesen werden.
Text: HFV, Foto: getty images


