Rainer Nagel war sichtlich gerührt, die Vertreter der Frankfurter Amateurfußballer auch. Im Rahmen der Rückrundenbesprechung des Fußball-Kreises Frankfurt wurde Rainer Nagel zum Ehrenkreisfußballwart ernannt, 20 Jahre stand er dem größten Fußball-Kreis Hessens vor, eher er gesundheitsbedingt sein Amt niederlegen musste.
Seine Verdienste sind unbestritten, den Kreis Frankfurt auf Kurs zu halten ist wahrlich keine einfache Aufgabe, eigentlich ein Fulltimejob, und das im Ehrenamt. Der 81-Jährige weilte erstmals seit seinem Rücktritt wieder im Kreis der hiesigen Fußballfreunde und -funktionäre, sozusagen mittendrin, wie eigentlich immer in den vergangenen bald sechs Jahrzehnten, in denen er erst als Trainer (auch Jugendleiter) und dann schließlich als Verbandsfunktionär wirkte.
In „seinem“ Kreis sollte es sein
Nagel, in Bornheim aufgewachsen, sah sich immer als Vertreter der Kreisvereine, deren Mitglieder ja die deutliche Mehrheit nicht nur im hessischen Fußball stellen, deren Interessen und Anliegen nach seiner Ansicht aber oft nicht bis in die oberen Etagen durchdringen. So war es denn nur folgerichtig und wie gewohnt konsequent, dass der auch als Trainer erfolgreiche Nagel (Meister mit seinem Stammverein SV Heddernheim, dem SV Bonames und dem PSV Blau-Gelb) nicht beim Hessischen Fußball-Verband in Grünberg geehrt werden wollte. In „seinem“ Kreis sollte es sein. Das Vereinsheim des FV Hausen bot den gewünschten Rahmen. Schnörkellos, ohne Chichi, herzlich und vor allem ehrlich.
Keine Ehrung ohne Laudator, auch wenn der Geehrte wohl ohne diesen ausgekommen wäre. Die Kreisverantwortlichen um den aktuellen Fußballwart Thorsten Bastian und seine Stellvertreterin Claudia Fleckenstein hatten sich in der Vorbereitung auf diesen besonderen Samstag im Frankfurter Nordwesten mächtig ins Zeug gelegt und für die Würdigung einen ebenfalls ehrlichen Vertreter seiner Zunft gefunden. Harald Stenger, langjähriger Pressesprecher des DFB und der Nationalmannschaft, fand die passenden Worte. Passend auch, dass Stenger ebenfalls Bornheimer Wurzeln hat, wie Nagel zwischendurch ausdrücklich betonte.
Stenger skizzierte Leben und Wirken Nagels, nicht nur das fußballerische, in drei „Aspekten“, ohne aber, wie zunächst gewitzelt, die volle Spielzeit von 90 Minuten in Anspruch zu nehmen. Eine gute Viertelstunde, prall gefüllt mit Erlebtem und Erfahrenem, gab einen Einblick in die Art und Weise, wie der künftige Ehrenkreisfußballwart durchs Leben ging und geht.
Wobei der ehemalige Rundschau-Redakteur und weiter aktive Fußball-Netzwerker es sich nicht verkneifen konnte, die Vereinsvertreter zu Beginn schon mal darüber in Kenntnis zu versetzen, bei der Eintracht würde sich in Sachen Trainer wohl etwas tun, wie er bei der Anfahrt im Radio gehört habe. Was sich gut 24 Stunden später ja dann bestätigte.
Der 74-Jährige hob Nagels Arbeit als Trainer hervor. Als Nachwuchstrainer bei der Eintracht Ende der 60er hatte er Talente wie Roland Borchers oder Wolfgang „Scheppe“ Kraus unter seinen Fittichen, trainierte später erfolgreich hiesige Seniorenteams. Beim zweiten Aspekt, dem Engagement im Kreisfußball-Ausschuss, hob Stenger den Umgang mit der Corona-Krise hervor. „In einer ganz schwierigen Zeit“ hätten er und seine Mitstreiter mit dem Sportamt alles getan, „um den Spielbetrieb mit der notwendigen Vorsicht wieder aufnehmen“ zu können.
Möglich sei dies durch den „dritten Aspekt“ gewesen, wie Stenger betonte: „Du warst immer Mensch!“ Was man ja nun nicht von allen Zeitgenossen in Politik und Sport sagen könne.
Spielbetrieb schnell geregelt
Die Ehrung nahm den Hauptteil der Sitzung ein, die Formalien hinsichtlich des weiteren Spielbetriebs waren schnell besprochen. Ohnehin hatten Bastian und Co. das Meiste vorab schriftlich geregelt, das zeitraubende Durchdeklinieren der Spielpläne für die sieben Ligen nicht somit mehr notwendig. Und so konnte im Anschluss noch intensiv in Erinnerungen an „alte Zeiten“ geschwelgt werden… Andreas Wagner, Foto: KFA Frankfurt


